• November 2023

LEISE RIESELT DER KOSMISCHE STAUB

Dann und wann muss ich an den ersten Film denken, den ich als Kind im TV gesehen habe, allein und zu später Stunde und mit grossen Augen, die im Laufe des Films noch grösser wurden: «Die Fliege». Ein Schwarz-Weiss-Streifen von 1958 mit Vincent Price, in dem ein wissen­schaft­liches Experiment zur Telepor­tation schiefläuft und ein Mensch mit Fliegenkopf herauskommt – sowie eine Fliege mit Menschenkopf. Erste Filme prägen. Auch heute noch sc haue ich ganz genau hin, bevor ich mit der Fliegen­klappe zuschlage, ob auf dem Insekt vielleicht nicht doch ein Menschen­gesicht zu erkennen ist, welches mit dünner Stimme ruft: «Erbarme dich meiner!» Mit ein Grund wohl, weshalb ich ein so schlechter Fliegenjäger bin.

Ein anderer Film, an den ich mich noch lebhaft erinnere, ist ebenfalls Science-Fiction: «Andromeda. Tödlicher Staub aus dem All», dessen Handlung sich aus dem Titel komplett erschliesst. An «Andromeda» musste ich denken, als ich vor kurzem an dieser Stelle über die Hausstaub­milben schrieb: wahre Monster, mit denen wir doch ohne Furcht leben, da wir sie mit blossem Auge nicht sehen. Wären die gräss­lichen Viecher nur tausendmal grösser … unser Leben wäre ein anderes. Nun, die Milben machen nur einen kleinen Teil dessen aus, was wir gemeinhin Hausstaub nennen und was aus einer Vielzahl verschie­denster Kompo­nenten besteht. Man spricht dabei gerne auch vom sogenannten Hausstaubmix.

Darin finden sich zersplitterte Spinnenbeine ebenso wie menschliche Hautschuppen, Handtuch­fussel und Pappelflaum, von draussen herein­ge­schleppter Stras­sen­abrieb und durch das Fenster herein­ge­wehter Russ. Und noch etwas ist im Hausstaub drin, etwas, das mich an den erwähnten Science-Fiction-Film mit seinem tödlichen Titel hat denken lassen: kosmischer Staub.

Es sind kleinste Überbleibsel von Kometen­kol­li­sionen und Astero­iden­zu­sam­men­stössen, die von unserem Planeten angezogen werden. Diese kosmischen Krümel sind so klein, dass sie beim Eintritt in die Erdat­mo­sphäre nicht verglühen. So rieseln pro Jahr Tausende von Tonnen des extra­ter­res­trischen Materials auf unsere Erde herab. Und wer weiss schon, aus welchen Winkeln des Universums die kosmischen Körner kommen? Staub aus dem Weltall in meinem Zuhause? Also ging ich schnur­stracks in ein Geschäft für Haushalt­geräte, um mir den leistungs­fä­higsten Staub­sauger zu beschaffen, der für Geld zu kriegen ist, um dem inter­pla­netaren Schmutz zu Leibe zu rücken.

Stolz präsen­tierte der Verkäufer seinen besten Staub­sauger, der aussah wie ein Blasin­strument für Ausser­ir­dische. Doch das Ding war viel zu schmächtig für das, was ich vorhatte! Ich verlangte nach einem Aufsitz­staub­sauger, analog zu diesen Rasen­mähern, mit denen man durch den Garten brausen kann, mit Lenkrad und Gaspedal. Der Verkäufer schaute mich nicht ohne Besorgnis an. Das gebe es schon, meinte er, allerdings für die profes­sionelle Anwendung, für Hauswarte von Schul­haus­anlagen etwa, Aufsitz­kehr­ma­schinen von Kärcher beispielsweise.

In der Tat! Das Modell KM 100/​120 R Bp Pack 4SB von Kärcher kostet zwar fast 40’000 Franken, sieht aber umwerfend aus und mit seinem ausklappbaren Borstenbesen und der grauen Aussenhaut wie eine zur Maschine gewordene Hausstaubmilbe. Ich weiss zwar nicht, wie man so ein Ding in die Wohnung bekommt, vielleicht muss ich es demon­tieren und in der Wohnung wieder zusam­menbauen, aber wenn die Maschine mal drin ist und läuft und fährt, dann wird gekehrt und gesaugt. Dann geht es dem ausser­ir­dischen Dreck an den Kragen. Staub zu Staub!