Das Ding mit Küng: Gamen ist ungesund? Nicht in meinem Alter!
Dinge altern unterschiedlich: Ein guter Wein wird mit den Jahren noch besser, ebenso ein Laib Parmesankäse – ein Pangasiusfilet oder Softeis hingegen kaum. Nicht anders verhält es sich mit der menschlichen Intelligenz, die nach der modernen Psychologie und Kognitionsforschung gerne als zweigeteilt betrachtet wird. Den einen Teil nennt man kristalline Intelligenz. Sie umfasst alles, was wir gelesen, erfahren oder gelernt haben – also jene Dinge, die im Speicher drin sind. Man könnte sagen, sie ist die Bibliothek der Seele. Der andere Teil ist die sogenannte fluide Intelligenz: das logische Denken, das Erfassen von Zusammenhängen oder das Finden spontaner Ideen (etwa in Form von Geistesblitzen).
Während die kristalline Intelligenz mit dem fortschreitenden Lebensalter stetig wächst, erreicht die fluide Form ihren Höhepunkt zwischen zwanzig und dreissig Jahren. Danach beginnt ihr mehr oder weniger steiler Sinkgleitflug. Eine Möglichkeit, diese Altersdiskrepanz am eigenen Gehirn zu erfahren: gegen junge Menschen Memory spielen.
Doch die fluide Intelligenz kann stimuliert und trainiert werden, etwa mit Videospielen. Dies belegen diverse Studien, beispielsweise jene aus dem Jahr 2024 mit dem poetischen Titel «Computer gaming alters resting-state brain networks, enhancing cognitive and fluid intelligence in players: evidence from brain imaging-derived phenotypes-wide Mendelian randomization».
Diesen wissenschaftlichen Erkenntnissen folgend verwende ich den hier abgebildeten Controller für die Videospielkonsole PlayStation (PS) der Marke Sony nahezu täglich, um immer dasselbe Spiel zu spielen – eine Auto-Rennsport-Simulation namens Gran Turismo 7. Es ist ein wunderbar realitätsnahes und detailversessenes Spiel mit fantastischer Grafik, rund um den Globus verteilten Rennstrecken und einem umfangreichen, vielfältigen Fuhrpark, der bewegt werden will.
Und eben: Ich spiele nicht aus Spass, sondern aus gesundheitlichen Gründen. Es ist also kein reines Vergnügen und auch keine Zeitverschwendung, denn das Game fördert die Aufmerksamkeitskontrolle, die reaktive Entscheidungsfindung sowie die visuell-räumliche Verarbeitung. Es stärkt das Arbeitsgedächtnis und die Multitaskingfähigkeit sowie adaptives Denken – alles zentrale Komponenten der fluiden Intelligenz.
Und dank dieses Spiels bin ich zudem Besitzer von 455 geilen Karren. Darunter etwa: der Supersportwagen Bugatti Chiron, den ich mir im echten Leben niemals kaufen würde, denn schon ein einfacher Ölwechsel schlägt dort mit gut 20’000 Franken zu Buche. Im Game kostet er bloss 400 Credits. Seit Gran Turismo 7 im März 2022 auf den Markt kam, habe ich es exakt 563 Stunden und 29 Minuten und 51 Sekunden lang gespielt (diese Zeitangabe hat die PS freundlicherweise in ihrem Silizium-Gehirn für mich gespeichert).
Pro Tag sind dies im Schnitt 25,1 Minuten, die ich mit Daddeln verbrachte. Das ist nicht besonders viel Zeit, und dies aus gutem Grund. Denn – auch dies belegen Studien – zu langes Spielen von Computer- oder Videogames ist ungesund (Bewegungsmangel, Augenbelastung, Vernachlässigung anderer Lebensbereiche). Aber täglich 25,1 Minuten zu zocken ist genau richtig, um hirntechnisch etwas weniger schnell zu altern und die fluide Intelligenz «liquid» zu halten.
Foto: Julia Ishac