IICH BI NO NIE Z Nusshoof i dr Landschaft GSII
Frühling («Früelig»). Die Menschen lieben ihn. Aber nicht alle. Denn während die einen wie besoffen («gstööbered») in seiner milden, aber verheissungsvollen Sonne liegen, schleichen die anderen mit geschwollenen Augen und triefenden Nasen in die Apotheken – und kommen mit Tüten voller Antihistaminika wieder heraus, um sich dort zu verkriechen, wo sie nun schon ein Jahr lang waren: drinnen. Schuld daran ist natürlich die blöde Natur.
Eine der Hauptangeklagten: die Birke. Es ist hinlänglich bekannt: Dieser Baum ist – höflich ausgedrückt – ein Trottel («Duubel»). Es gibt jedoch ein Gewächs, welches noch schlimmer ist: die Hasel. Von der Birke weiss man: Sie taugt zu nichts, aus ihr kann man bloss Brennholz und Antischuppenshampoo machen. Von der Hasel hingegen hat man eine hohe Meinung. Ihre Stauden liefern beste Stecken («Stäkche»), um damit Würste («Seerwylaa») zu braten. Man kann daraus Pfeilbogen basteln und politisch nicht mehr korrekte Spiele spielen («indiaanerle»).
Dabei ist die Hasel viel fieser als die Birke, denn sie blüht früher. Wie eine übereifrige Schülerin kommt sie der Birke zuvor, hängt ihre pollenprallen Kätzchen («Haaselbüüseli») in die Luft und verdirbt einem die Hoffnung auf Veränderung gehörig.
Deshalb müssten Allergikerinnen und Allergiker Nusshof hassen, denn der Ort trägt stolz die Haselnuss im Wappen. Doch über Nusshof oder seine Einwohner (die man logischerweise «Nussbängel» nennt) kann ich nichts Nachteiliges sagen. Im Gegenteil: Nusshof ist eines dieser typischen kleinen Dörfer des Oberbaselbiets, welche sich in den Falten der Hügel («Hüübel») verstecken, die man durchaus lieblich nennen kann – ausser man ist mit einem nichtelektrischen Fahrrad («Weeloo») unterwegs, dann erlebt man deren giftige Seite.
Nusshof ist mit 263 Einwohnern eine der allerkleinsten der kleinsten Gemeinden des Kantons. Ein Restaurant namens s’Beizli mit gemütlichem Garten samt Palmen gibts, welches auch bei der Stadtbevölkerung («Heerephakch») für die Metzgete («Wuurschtmool») bekannt ist. Und das alte «Milchhüüsli», von Branntwein-Aficionados («Seelewermer-Fründ») in eine 12-m2-Grappabar umfunktioniert, lädt zum Konsum von alkoholhaltigen Getränken ein («löögele»). Und Natur ist vorhanden, reichlich, üppig, Wald, Wiese, dazwischen finden sich immer wieder Wege, die sich für eine Wanderung («Dippel») anbieten, idealerweise dann, wenn die Kacknuss ausgeblüht hat und die prächtigen und ortstypischen Kirschbäume («Chiirssibäum») das Blustregime übernehmen und die Landschaft in einen surreal hypnotischen Schönheitszustand befördern (also etwa dann, wenn auch die Beizen wieder offen sind).
Ein Must für alle, die in Nusshof vorbeikommen, findet man ganz in der Nähe der Bushaltestelle «Nusshof Abzweigung»: das unter Dendrophilen und auch gemässigteren Baumfreunden als wohl geilste Eiche ganz Europas geltende Exemplar! Diese Eiche ist wegen ihres atypisch symmetrischen und an das menschliche Gehirn («Hiirni») gemahnenden Wuchses eindrücklich anzusehen (siehe Bild). Ein idealer Ort, um sein bei Wanderantritt in Sissach beim Bäcker Gunzenhauser gekauftes Sandwich («Yygchlemmts») zu verzehren («haabere»). Die Eiche hat bloss einen kleinen Schönheitsfehler: Sie steht ein paar Meter östlich vom Grenzstein auf dem Boden der Nachbargemeinde Wintersingen (deren Einwohner man übrigens «Chruttlämpe» nennt). Aber wie würde man in Nusshof sagen? «He nu so denn. Schyysseglyych.»
Anzahl privater Outdoor-Swimmingpools (handgezählt bei Google Earth): 11
Wanderung: Vom Bhf. Sissach nach Nusshof, Hersberg, Olsberg, Rheinfelden sind es «öppe» 27’000 Schritte
Um mit den Eingeborenen zu kommunizieren: «Baselbieter Wörterbuch», Christoph Merian Verlag. Darin finden sich alle wichtigen Wörter wie «Drakchtoor» (Traktor), «Schlämpe» (Haut auf gekochter Milch), «Fluumer» (langhaariger Hund), «Haawaas» (Fake News) oder «Letzi» (bleibender Schaden)
Bäckerei? Nein, aber Metzger Andrist auf dem Hof Buchmatt mit eigener Wursterei und (samstags) Laden