ICH WAR NOCH NIEMALS IN Möriken-Wildegg AGMöriken-Wildegg AG
Er kam in Wladiwostok zur Welt. Er starb in New York City. Dazwischen wurde er zum Weltstar. Er gewann den Oscar. Er gab im Broadway-Dauererfolg «The King and I» 4625 Mal den König. Er war bei Paramount Pictures unter Vertrag. Er hatte eine Affäre mit Marlene Dietrich. Er machte die Glatze zum Sexsymbol. Er wurde zur Ikone. Und einmal kam er nach Möriken-Wildegg.
Der Schauspieler Yul Brynner wurde als Juli Borissowitsch Briner geboren. Er modifizierte seinen Namen. Ergänzte den Nachnamen durch ein zweites n. Damit er auch im Englischen richtig klang. «Brinner» statt «Breiner». Ausserdem reime er sich so schöner auf «sinner». So sagte er einmal.
1967 gab es in Möriken-Wildegg ein Dorffest. Man sammelte Geld für ein Ferienheim auf der Bettmeralp. Alle Bürger wurden eingeladen. Und alle kamen. Auch Yul Brynner. Der «Blick» war vor Ort und berichtete. Im Chrysler sei er vorgefahren. «Selbstgesteuert». Auf Schwarzweissfotos sieht man den Hollywoodstar in Möriken-Wildegg beim Kegeln. Bürgernah. Beim Autogramme geben. Im Mundwinkel die Zigarette. Er war Kettenraucher. Dies sollte ihm später zum Verhängnis werden. Er starb 1985 an Lungenkrebs. Dem «Blick» diktierte er: «Schon meine Ahnen waren Möriker. Mein Vater, der in Wladiwostok (Russland) Schweizer Konsul war, heiratete eine Russin. Aber bereits 1935, mit 15 Jahren, verliess ich Russland, um in Paris zu studieren, und 1949 trat ich in Amerika zum ersten Mal im Film auf.»
Brynner war gerne Schweizer. Auch der US-amerikanischen Steuerbehörde wegen. Deretwegen hatte er seinen Wohnsitz ins Welschland verlegt. Nach Buchillon am Genfersee.
Möriken-Wildegg hat heute 4567 Einwohner und 52 Vereine. Es gibt eine Fellnäh-Gruppe. Eine Majorettengruppe. Einen Schiffsmodellbau-Klub. Das Wappen finden manche diskussionswürdig. Andere sehen nichts Anstössiges dabei. Waseszeigt? «In Gelb Mohrenkopf mit roten Lippen und Ohrringen über schwebendem rotem Sechsberg.» So steht es auf der Webseite der Gemeinde.
Im Jahr 2014 setzte man dem berühmten Bürger posthum ein Denkmal. Den Yul-Brynner-Platz findet man vor dem Gemeindehaus. Davor war es ein Parkplatz gewesen. Daraus wurde ein Ort der Begegnung. Kostenpunkt: 1,382 Millionen. Eine rostige Stele und Bodenplatten aus Muschelkalk erinnern an Brynner. Die Titel seiner zwanzig besten Filme sind darin eingemeisselt. Beginnend mit «The King and I» (1956) führen sie chronologisch in der Form einer Spirale zur Platzmitte hin. Den Endpunkt bildet «Futureworld» (1976). Die Spirale als Symbol für den Weg eines Menschen. Für dessen Entwicklung.
Auch ein Brunnen ziert den Platz. Er ist aus einem einzigen Stück Mägenwiler Muschelkalk gehauen. Zudem steht da eine Blasenesche. Gesponsert vom Jodlerclub Schlossbrünneli. Eine alte Linde spendet Schatten. Eine rote Bank lädt zum Verweilen ein. Auch ich setzte mich auf die Bank. Und dachte nach. Ich wäre immer gerne ein Mann gewesen. So wie man sich früher Männer vorstellte. Einer wie Yul Brynner. So wie in seiner Rolle als Revolvermann in «Die Glorreichen Sieben». Schwarze Klamotten. Schwarzes Pferd. Dieser unergründliche Blick. Tiefe Stimme. Noch tiefere Seele. Starker Wille. Gebannte Aufmerksamkeit. Unausweichlichkeit. Und die Glatze!
Aber ich werde niemals ein Mann wie Yul Brynner sein. Da kann ich noch so oft nach Möriken-Wildegg pilgern und auf die Bodenplatten mit den eingemeisselten Filmtiteln starren. Nur etwas von Yul Brynner ist für mich noch immer erreichbar. Die Glatze. Immerhin.
Geburtstag: Morgen Sonntag wäre der berühmteste Bürger von Möriken-Wildegg 101 Jahre alt geworden
Bäckerei? Ja, zwei sogar. Moosberger an der Bahnhofstrasse 8 (Spezialität: Amaretti mit Grappa oder Kirsch), Konditorei Chestenberg (hausgemachte Glaces), Bruneggerstrasse 1b
Einträge im Telefonbuch in Möriken-Wildegg: 5 Briner; 19 Bryner
Anzahl privater Outdoor-Swimmingpools (handgezählt bei Google Earth): 52
Filme mit Yul Brynner: Netflix: 0; Sky Show: 0; Sky Store: 1; Disney+: 0; Les Videos Zürich: 24