FRAGEN ÜBER FRAGEN
«Wie heisst noch gleich der Komiker, der nicht lustig ist?», wurde ich kürzlich von einem Freund gefragt. Ich musste ein Weilchen nachdenken.
Jede und jeder kennt diese Fragen nach Namen und Personen, Fragen, die irgendwann unweigerlich auftauchen, bei Diskussionen während eines Abendessens beispielsweise. Gerne kommt man bei solch privaten Anlässen und oft kleiner Tischgesellschaft in Ermangelung anderer Themen zu Interessengebieten, welche eine grösstmögliche Gemeinsamkeit anbieten. Dies sind in der Regel nicht Komiker:innen, denn Komiker:innen gehören zu den Interessenrandgruppen, es sind eher Fernsehserien, die für Gespräche zweckdienlich, da mehrheitsfähig sind. Bei Fernsehserien kann jede und jeder mitreden. Früher noch sprach man über Kinofilme, aber seit der Mensch kaum mehr die dunklen Kinosäle betritt, sind es eben TV-Serien, die manche in einer Heftigkeit konsumieren wie nochmals andere – etwa im Stadtgarten in Chur – harte Drogen. Das Problem bei Diskussionen über Fernsehserien ist jedoch leider oft das eigene Erinnerungsvermögen, welches in einem eklatanten Missverhältnis zur Menge des konsumierten Stoffes steht. Man erinnert sich an etwas oder jemanden und möchte davon berichten, aber der Name fällt einem nicht ein, obwohl er einem auf der Zunge liegt. Die Zunge wäre bereit, aber das Hirn will einfach nicht liefern – wieder einmal.
Gerade die erfolgreiche Serie «Succession» bietet dank des Personals mit teils weit zurückreichender Kinovergangenheit reichlich Gesprächsstoff. Aber eben, man will mit seinem Populärwissen angeben, doch es will einem verflixt nochmal partout nicht der Name des Schauspielers oder der Schauspielerin einfallen, und schon sagt man: «Mein Lieblingscharakter? Nun, eindeutig der Ehemann der Tochter, wie heisst er noch gleich?» – «Tom Warmsirgendwas?» – «Genau! So ein guter Schauspieler, subtil und grandios fies…der war ja schon in grossen Filmen, hatte auch eine Rolle in ‹Robin Hood› von Ridley Scott, spielte dort den Sheriff von…äh…» – «Notting Hill?» – «Genau! Und in ‹Robin Hood› spielte auch der schmierige Typ mit, der Sohn dieses Regisseurs, der einst all die Western gedreht hatte, ‹Moby Dick› und so, der Vater von Whitney Houston, auf jeden Fall spielt dessen Sohn in ‹Yellowstone› einen Immobilienfritzen...» – «Yellowstone?» – «Nicht gesehen? Ein Must! Spielt in Montana! Die Landschaft! Die Pferde! Mit Kevin Costner und dieser unglaublichen Schauspielerin, die seine Tochter spielt, die auch in ‹Pride and Prejudice› zu sehen war, so wie…ach, wie heisst sie gleich noch…die aus ‹Pirates of the Caribbean›?…die mit diesem Typen zusammen ist, der bei der Band war, die sich aufgelöst hat, die vorher aber mit diesem irischen Schauspieler liiert war, der in ‹Fifty Shades of Grey› den Mister Grey spielte? Wie war noch gleich sein Name?»
Und selbstverständlich ist es Ehrensache, dass man solche Namedropping-Exkurse ohne Googlehilfe unternimmt, das Smartphone im Hosensack bleibt, auch wenn es einen in den Fingern juckt, dem Gehirn mit ein paar tapsigen Tastern auf die Sprünge zu helfen. Lieber verliert man sich ganz und gar im Irrgarten des zwar vorhandenen, aber nicht abrufbaren Wissens.
Aber eben, die eingangs gestellte Frage lautete ja: «Wie heisst gleich nochmals der Komiker, der nicht lustig ist?» Diese Frage ist einfach und schwer zugleich, denn es ist gar keine Frage, sondern ein Pleonasmus. Also sagte ich: «Frag mich lieber, wie der Komiker heisst, der lustig ist.» Denn da ist die Antwort einfach: «Peach Weber.»