Das Ding mit Küng: Das Vorhängeschloss: Klauen oder nicht klauen, das ist hier die Frage
Klauen, stehlen, mopsen: Unschön, aber leider landesweit verbreitet. Und so erstaunt auch nicht, was die Umfrage eines unabhängigen Schweizer Online-Vergleichsdiensts unlängst ergab. 25 Prozent der Befragten gaben dabei an, schon einmal im Coop gestohlen zu haben, 24 Prozent liessen in der Migros etwas mitgehen, 20 Prozent im Denner, 18 Prozent bei Aldi. Unklar bleibt dabei, ob die Coop-Klauer dieselben Menschen sind wie die Migros-Diebe – oder ob strikt ladenspezifisch gestohlen wird.
Aber nicht nur im Supermarkt werden die Finger gerne lang gemacht, sondern auch am Arbeitsplatz; gemäss Umfrage dort sogar noch häufiger. 29 Prozent haben Gegenstände als Lohnbestandteil betrachtet, welche rein rechtlich gesehen nicht ihnen gehörten, sondern ihrem Arbeitgeber.
Moralisch sehr bedenklich: 20 Prozent haben bei Verwandten oder Bekannten zugelangt. 17 Prozent sind wahre Leseratten und stahlen schon in Bibliotheken. Interessant und auch befremdend bis bizarr: ebenfalls 17 Prozent gaben an, bereits einmal in einer Bank gestohlen zu haben. Da stellt sich die Frage: Was kann man in einer Bank denn stehlen? Geld oder Gold natürlich – dies ist jedoch nur mit grosser krimineller Energie und entsprechendem Aufwand zu bewerkstelligen.
Und sowieso sind gewisse Zweifel an der Zuverlässigkeit dieser Umfrage angebracht. Wenn man bedenkt, dass nebst dem Diebstahl eine ebenfalls weit verbreitete Untugend das Lügen ist (zudem unredliche Menschen tendenziell wohl eher zum Flunkern tendieren), sind die Klauzahlen in Tat und Wahrheit wohl einiges höher.
Ich kann mit gutem Gewissen behaupten: Ich habe noch nie gestohlen! Wenigstens nicht als Erwachsener. Früher schon. In der Kindheit auf dem Lande musste man auch erst einmal herausfinden, was recht und was unrecht ist. Man kommt ja nicht moralisch kalibriert zur Welt. Zudem hatten wir damals noch keine Handys oder das Internet, sondern bloss frisierte Mofas und schlimme Frisuren, also wurde uns oft elend langweilig.
Und die Langeweile war schon immer eine Brutstätte für saublöde Ideen. Jedenfalls hatte irgendeiner in der sommerlichen Ennui-Hochphase die Eingebung, in der Landi in Gelterkinden ein Vorhängeschloss zu klauen. Das lief glatt und prima. In der Folge entwickelte sich eine fatale Dynamik, das Vorhängeschlossstehlen wurde zum Sport. Die Schlösser waren ja auch super zu klauen. Klein wie Schmuck. Schwer wie Gold. Sie machten was her. Zudem waren sie praktisch, man konnte damit sicher die Kiste verschliessen, in der die anderen geklauten Vorhängeschlösser lagen.
Nicht, dass mir der Diebstahl Spass gemacht hätte. Ganz im Gegenteil. Ich mochte weder das flaue Feeling im Bauch davor, noch den Adrenalinkick währenddessen, schon gar nicht die Schuldgefühle danach. Doch es musste sein, der Gruppendruck verlangte es. Einmal habe ich sogar ein Vorhängeschloss gekauft, den Freunden aber gesagt, ich hätte es gestohlen.
Natürlich wurde ich irgendwann erwischt. Zum Glück. Ich heulte jämmerlich, doch insgeheim war ich froh – und ich hatte meine Lektion gelernt. Seither bin ich eine ehrliche Haut, die den Besitz anderer vollumfänglich respektiert, sogar jenen meines Arbeitgebers. Niemals mehr habe ich absichtlich gestohlen oder geklaut oder gemopst, noch nicht einmal ein Vorhängeschloss. Ungelogen!