Das Ding mit Küng: Der Drucker oder Männer am Rande des Nervenzusammenbruchs
An den Rand eines Nervenzusammenbruchs geriet ich das letzte Mal im Mai vor vier Jahren. Zum wiederholten Mal versuchte ich, meinen kurz zuvor gekauften Epson-Drucker zum Drucken zu bewegen. Er druckte auch, aber leider nicht das, was ich wollte, sondern: Fehlerprotokoll um Fehlerprotokoll, und davon jeweils absurd viele Seiten. Ich versuchte es mit einer direkten Kabelverbindung. Klappte nicht. Las die Bedienungsanleitung nochmals. Brachte nichts. Lud Druckertreiber um Druckertreiber herunter, machte Restart um Restart. Nützte nix.
Bis dahin hatte ich immer gedacht, ich käme irgendwie noch draus bei digitalen Dingen. Zu erkennen, dass man diesbezüglich wohl doch unfähig bis dumm ist: eine harte Lektion.
Als der Leidensdruck ob des Druckers so sehr angewachsen war und gleichzeitig die Scham ob meiner Unfähigkeit stetig anschwoll, involvierte ich Menschen, die mehr von der Materie verstehen. Sie halfen – oder versuchten es zumindest – bis zu jenem Punkt, an dem man die Hände hebt und ratlos dreinblickend sagt: «Hey, sorry, aber …» Denn auch meine computeraffinen Freunde wollten nicht die nächsten Jahre damit verbringen, einen Drucker zum Laufen zu bringen.
Früher warf man bei drohenden Nervenzusammenbrüchen wegen unwilliger Gegenstände diese einfach aus dem Fenster – Fernseher etwa, wenn einem das Programm nicht passte oder der Moderator während eines Fussballspiels nervte: Fenster auf, Gerät raus, Fenster zu, Problem gelöst. Aber damals wohnte ich im Erdgeschoss. Hätte sicher uncool ausgesehen.
Irgendwann geriet ich in eine Selbsthilfegruppe im Internet und erfuhr: Mein Epson-Drucker war schlicht nicht kompatibel mit dem damals neuen und aus 16 Milliarden Transistoren bestehenden M1-Chip des Apple-Laptops. Ich konnte noch so viele Druckertreiber-Treibjagden starten: Es ging nicht, da mein Computer und mein Drucker sich nicht verstanden. Es war wie bei einer dieser Beziehungen, bei denen man nach Jahren feststellt: Man redet aneinander vorbei.
Was mit jenem Drucker schlussendlich passiert ist? Ich weiss es nicht mehr. Vielleicht steht er noch immer im Keller der alten Wohnung. Vielleicht trug ich ihn auf die Dachterrasse.
Aber ich weiss etwas anderes: Ich habe nach einer längeren druckerlosen Phase mein Glück erneut gewagt – und einen Volltreffer gelandet! Ich liebe meinen neuen Drucker, Onkel Oki, wie ich ihn nenne. Klick ich die «Drucken»-Taste, druckt er. Und zwar schnell und scharf und supergünstig und auch noch Ressourcen schonend im Duplexverfahren, also beidseitig.
Das Allerbeste allerdings betrifft das Design von Onkel Oki, welches man ihm nicht ansieht – was immer ein gutes Zeichen ist für gutes Design. Doch man fühlt das kluge Design in der Handhabung. Um den doch nicht gerade leichtgewichtigen Drucker zu heben, sind die Griffmulden an seiner Unterseite versetzt angebracht, damit man Onkel Oki stabiler zu fassen bekommt und er beim Heben nicht nach vorne oder hinten zu kippen neigt.
Manchmal hebe ich ihn einfach des guten Gefühls wegen hoch. Er scheint es zu mögen. Und ich auch. Es sieht dann aus, als umarmten wir uns. Als hätten wir uns gerne. Und das stimmt ja auch. Ein bisschen Nähe und Zärtlichkeit kann schliesslich jede und jeder von uns gebrauchen, dann und wann, sei es Mensch oder Maschine.

Foto: Julia Ishac